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Auf die Besonderheiten hingewiesen

Main-Tauber-/ Neckar-Odenwald-Kreis, 08. August 201811 Uebergabe Plakette nach Fertigstellung
vom FN-Redaktionsmitglied Matthias Ernst

Tafeln über die Geschichte Großrinderfelds an ortsprägenden Gebäuden angebracht. Die Beschilderung der ortsprägenden Gebäude und Orte wurde abgeschlossen. Es gab eine großzügige LEADER-Förderung.
Die „Beschilderung von Kulturdenkmälern und die Dokumentation der inner- und überörtlichen Geschichte von Großrinderfeld“: So heißt das Projekt das vom Regierungspräsidium genehmigt und von der LEADER-Aktionsgruppe mit 60 Prozent der Nettokosten gefördert wurde. Auf insgesamt 34 Hinweistafeln wird an 24 Standorten auf die Besonderheiten des Ortes hingewiesen.

Es komme nicht so häufig vor, dass ein so kleines Dorf wie Großrinderfeld sich der Erforschung seiner Geschichte so lückenlos verschreibt, hob Ortsvorsteher Walter Lutz bei der offiziellen Übergabe der LEADER-Plakette durch den Vorsitzenden der Regionalentwicklung Badisch-Franken e.V. Alfred Beetz hervor.

Blick auf die Anfänge
Lutz ging auf die Anfänge des Projektes zurück. „Initialzündung für die Beantragung des Projektes war ein Bericht in der Zeitung: Ran an die Fördertöpfe“. LEADER Badisch-Franken hatte dazu aufgerufen, Anträge für „zündende Ideen“ zu stellen, für die man keine Zuschüsse aus einem Fachförderprogramm enthält und die mit den Richtlinien Badisch-Franken zusammen passen. Das Besondere an diesem Programm sei, dass jeder Anträge stellen könne: Kommunen, Vereine, Private, Gewerbetreibende. Bezuschusst würden „Besonderheiten“, keine „null-acht-fünfzehn Projekte“, so Lutz.13 Informationen zum Marktrecht
Das Großrinderfelder Projekt kostete 10 000 Euro und setzt sich aus drei Teilen zusammen, die Lutz anhand des Rathauses erklärte. „Auf der Tafel ist dieses Kulturdenkmal beschrieben. Heute ist es das Rathaus, ab 1828 war es in erster Linie eine Schule“. Es wurde seinerzeit für 1700 Gulden gebaut, im Jahr 1985/86 für zirka eine Million Mark zu einem funktionsfähigen Rathaus umgebaut. Die zweite Tafel verkörpert den innerörtlichen Geschichtsbezug. Nachdem nachweislich der letzte Markt 1809 abgehalten wurde, ruhte das Marktrecht bis zum Jahr 1949. Bürgermeister Weismann erreichte damals, dass man dieses Marktrecht zurückbekam.

Auf der dritten Tafel ist ein Aspekt der überörtlichen Geschichte dokumentiert. Die Gemeinde Großrinderfeld gehört zu den wenigen kleinen Gemeinden, die Marktrecht erhielten. Eine große Besonderheit ist, dass man die originale Markturkunde noch besitzt. Sie ist im Rathaus sicher aufbewahrt. Auf der Tafel ist auch beschrieben, wer für die Verleihung des Marktrechtes 1699 verantwortlich war, Erzkanzler Lothar Franz von Schönborn.

Andere Schilder beschäftigen sich mit den Bildstöcken und Feldkreuzen im Gemeindegebiet. Auf einem Rundweg von14 Grorinderfelder Befestigungsanlagen 1,3 Kilometer Länge kann man der alten Befestigungsanlage von Großrinderfeld folgen. Das Dorf war als eine der wenigen Siedlungen in der Gegend komplett mit Mauerwerk, Zäunen, Gräben und Erdwällen umgeben. Außerdem gab es zwei Tore, durch die man in den Ort gelangen konnte.


Lob für Gestaltung der Tafeln
Auch die Wasserversorgung ist ein Thema, so weist eine Tafel auf die ehemalige Viehtränke hin, aus der die jüdischen Mitbürger im Ort ihren Vorrat an Wasser decken durften. Dies solle keine Abwertung sein, so Rudolf Geiger, Ehrenvorsitzender des Heimat- und Kulturvereins (HKV). Er hat zusammen mit Christoph Kraus die Aufschriften der Tafeln verfasst und in Form gebracht.

Dr. Jürgen Gernert, Vorsitzender des HKV, berichtete, dass er schon von mehreren Bürgern Lob für die Gestaltung der Tafeln und die informativen Texte bekommen hat. Während früher nur die hohe Politik für die Geschichtsforscher interessant war, würden nun auch die kleineren Gemeinden und die sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen in den Blick rücken.

Die nun angebrachten Tafeln geben die aktuellen Wissensstände über die Historie wieder, aber seien sicher nicht vollständig. Geschichtsforschung ändere sich immer dann, wenn neue Quellen erschlossen werden. Es sei ein fließender Prozess. Gernert erinnerte daran, dass nicht nur Großrinderfeld eine bewegte Geschichte hat, sondern auch die anderen Teilgemeinden, Gerchsheim, Schönfeld und Ilmspan. Hier könne man sich in Zukunft seitens des HKV sehr gut vorstellen, ein ähnliches Projekt anzugehen.


Neue LEADER-Projekte möglich
Dies griff Alfred Beetz auf. Aktuell laufe wieder eine Bewerbungsphase für LEADER-Projekte. Bis 28. September müssten die Anträge für förderfähige Projekte gestellt werden. Beetz wünschte sich, dass das LEADER-Förderprogramm auch über das Jahr 2020 hinaus aufgelegt wird, denn mit den Fördermitteln könne man viele Projekte in der Gegend anstoßen. Beetz lobte den Einsatz der Bevölkerung für das Großrinderfelder Projekt. So großes Interesse der Bürger sei selten.


Kompetente Umsetzung
Das sah auch Bürgermeisterin Anette Schmidt so. Sie dankte dem Ortschaftsrat für die Initiative und den Mitgliedern des HKV für die kompetente Umsetzung. „Genau diese Projekte tragen zur Identifikation mit seiner Gemeinde bei.“ Die Kommune könne mit ihren beschränkten Mitteln solche Projekte nur selten fördern, da würden andere Prioritäten im Vordergrund stehen. Umso erfreuter sei sie, dass Bürgerinitiative belohnt wird.
 

 

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